Interview mit Kathrin – MumDoc aus den Niederlanden

Hallo in die Niederlande – Kathrin, stell dich doch mal kurz vor

Ich bin Kathrin, 34 Jahre alt. Ich bin eigentlich Fachärztin für Neurologie, habe jetzt aber frisch nach der Elternzeit als Hochschulärztin an die Uniklinik Aachen gewechselt, und mache dort noch eine Weiterbildung zur Fachärztin für Arbeitsmedizin.

Wo lebst du genau?

Ich lebe in Vaals, einem kleinen Örtchen in den Niederlanden, kurz hinter der Deutsch-Niederländischen Grenze in der Nähe zu Aachen. Bekannt ist Vaals übrigens für den Vaalserberg, den mit 322,4 m höchsten Berg der Niederlande 😊

Warum bist du ausgewandert?

Für die Liebe! Mein Mann ist Niederländer und wir haben lange eine Fernbeziehung geführt, bis wir uns entschieden haben zusammen zu ziehen. Wir wollten gerne beide unsere Jobs behalten, ich in Deutschland und er in den Niederlanden, deshalb haben wir uns darauf geeinigt, nah an die Grenze zu ziehen und beide zu pendeln. In Vaals waren dann die Immobilienpreise deutlich niedriger als zum Beispiel im benachbarten Aachen, das war letztlich der ausschlaggebende Punkt, weshalb wir uns für die Niederlande entschieden haben.

Wie gut sprichst du holländisch? Wie hast du die Sprache gelernt?

Ich spreche ganz gut Niederländisch, die Sprache ist aber auch für Deutsche recht einfach zu lernen. Ganz zu Anfang unserer Beziehung habe ich mal einen Volkshochschulkurs gemacht, das war gut, um die Aussprache und zumindest die Grundzüge der Grammatik zu lernen. Ansonsten habe ich die Sprache aber vor allem durch das tägliche Sprechen mit meinem Mann und seiner Familie, sowie ein PJ-Tertial in den Niederlanden gelernt.

Wie lange lebst du schon nicht mehr in Deutschland? Hast du vor zurückzukommen?

Ich bin 2019 in die Niederlande gezogen. Wir haben hier unser Traumhaus im Grünen gefunden und können uns momentan nicht vorstellen, hier jemals wieder wegzuziehen. Ich bin aber ehrlicherweise froh, so nah an der Grenze zu wohnen und weiterhin in Deutschland arbeiten zu können, das könnte ich mir in den Niederlanden eher nicht vorstellen. Außerdem habe ich so auch meine deutsche Familie und meine Freunde ganz in der Nähe. Und ich kann weiterhin Brot und Wurst in Deutschland kaufen – sehr wichtig 😊

Wie unterscheidet sich das niederländische Gesundheitswesen vom deutschen Gesundheitswesen? Was ist in deinen Augen besser oder schlechter?

Die drei größten Unterschiede sind in meinen Augen:
– In der Facharztausbildung: es wird zwischen Ärzten in Facharztausbildung (AIOS) und Ärzten nicht in Ausbildung (ANIOS) unterschieden. Es gibt verhältnismäßig wenig Weiterbildungsstellen, deshalb arbeiten viele Ärzte, gerade wenn sie frisch von der Uni kommen, erstmal als ANIOS, das zählt dann nicht für den Facharzt. Um eine Weiterbildungsstelle zu bekommen, muss man erstmal Erfahrung im entsprechenden Gebiet als ANIOS gesammelt haben, promovieren, sich gut mit dem Chef stellen oder ähnliches. Das sorgt meiner Erfahrung nach in gewisser Weise für einen verstärkten Konkurrenzkampf unter den Ärzten um die wenigen Facharztausbildungsstellen.

– Kein Unterschied zwischen privater und gesetzlicher Krankenversicherung. Man kann letztlich selber entscheiden, wie gut man sich versichert und zahlt dementsprechend sehr unterschiedliche, aber zumeist doch deutlich niedrigere Beiträge als in Deutschland.

– Es gibt außer dem Hausarzt keine ambulanten Facharztpraxen, noch nicht mal niedergelassene Pädiater. Erster Ansprechpartner für eigentlich alle medizinischen Fragen ist der Hausarzt, der insgesamt auch deutlich mehr übernimmt als die Hausärzte in Deutschland, zum Beispiel auch die Behandlung von Kindern. Nur wenn der Hausarzt absolut nicht weiter weiß, überweist er zum Spezialisten, das sind dann Fachärzte, die im Rahmen von Polikliniken an den Krankenhäusern arbeiten.

Vorteil: Patienten können sich nicht einfach so beim Facharzt vorstellen, dafür brauchen Sie zwingend eine Überweisung des Hausarztes. Dadurch sind die Fachärzte natürlich nicht so überlaufen.

Nachteil: mein subjektiver Eindruck ist diesbezüglich allerdings, dass die Hausärzte sehr restriktiv mit Überweisungen umgehen und erst sehr spät – vielleicht manchmal zu spät- zum Facharzt überweisen.
Vor allem bei Kindern sehe ich das sehr kritisch. Ich fahre mit meiner Tochter deshalb, wenn Sie krank ist, immer über die Grenze zum Kinderarzt nach Deutschland. Das sind wie gesagt allerdings meine persönlichen Eindrücke als leicht hypochondrisch veranlagte Medizinerin, überbesorgte Mama und vom deutschen Gesundheitssystem Verwöhnte 😉.

Gibt es noch weitere Besonderheiten im holländischen Gesundheitssystem?

Ein paar Kleinigkeiten, die ich super im niederländischen Gesundheitssystem finde:

Die Physiotherapeuten sind total gut ausgebildet, die Ausbildung erfolgt hier im Rahmen eines Studiums. Ich weiß, dass sagt nicht immer unbedingt etwas aus, aber in diesem Fall merkt man schon einen Qualitätsunterschied.

Nach der Geburt gibt es hier statt der normalen Wochenbettbetreuung durch eine Hebamme die sogenannte kraamzorg, die nicht nur Mama und Baby medizinisch nachbetreut, sondern gerade am Anfang auch dazu da ist, im Haushalt mitzuhelfen, damit Mama sich nach der Geburt erstmal richtig erholen kann.

Stillberatung ist hier eine Kassenleistung, es gibt dafür extra ausgebildete Stillberaterinnen, die recht unkompliziert zu einem nach Hause kommen. In Deutschland ist das ja leider soweit ich weiß noch keine geschützte Berufsbezeichnung und dementsprechend groß sind da wohl die Qualitätsunterschiede.

Wenn ihr Fragen habt, schaut gerne auf mein Profil auf der Mentorinnenseite, dort könnt ihr mich kontaktieren!

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Katrin
Katrin MumDocs Gründerin
Kathrin M.
Kathrin M.MumDoc aus Holland